Meditationssamen

November 2016

Okkultismus und psychische Kräfte

Raphael: Um eine Kraft jeglicher Dimension ausüben zu können, braucht man auf der einen Seite den Inhaber der Kraft und auf der anderen das Objekt-Ereignis, das – abgesehen von der Kraft selbst – den Krafteinfluss erfährt.
Zur Ausübung einer Kraft sind also drei Dinge erforderlich: der Inhaber der Kraft, das Kraft-Instrument oder Kraftmittel und das Objekt, auf das der Einfluss ausgeübt werden soll. … Wir können daher ableiten, dass die Kraft nicht den Subjekt-Inhaber darstellt. Den Inhaber der Kraft mit der Kraft selbst zu identifizieren, bedeutet demnach, in avidya-Unwissenheit zu fallen; es bedeutet, das Seil mit der Schlange zu verwechseln. Dieser Identifikation fallen viele Okkultisten zum Opfer, weshalb sie oft als »Verehrer von Hiranyagarbha« bezeichnet werden.
Es ist wichtiger, den Inhaber der Kraft zu verstehen, als die Kraft, die lediglich eine Eigenschaft ist. Wir müssen das, was wir in Wirklichkeit sind, verstehen, wir müssen zur letzten Essenz, zum Absoluten in uns vordringen, das von keinerlei Eigenschaft jeglicher Natur abhängig ist.

Frage: Kann eine psychische Kraft die Konflikte und das Elend der Menschen beseitigen?

Raphael: Wir kreisen immer wieder um dieselbe Frage. Löst materieller Reichtum, der eine Kraft ist, das wahre innere Problem des Menschen? Der Westen ist reich, aber hat er deswegen seine Probleme gelöst? Beseitigt etwa irgendein Bekanntheitsgrad (des Ich), der auch eine Kraft ist, das Leid? Hat ein Diktator, der die gesamte Macht über eine Nation für sich in Anspruch nimmt, etwa die Glückseligkeit erlangt? Heute besitzt der Mensch die größte derzeit vorstellbare Kraft, die Atomenergie. Können wir darum sagen, dass die Menschheit dadurch die Glückseligkeit erreicht hat?
Und noch etwas Grundsätzliches: Jede Kraft menschlicher oder übermenschlicher Art strebt nach Befriedigung. …
Kraft ist also die Fähigkeit, Einfluss auszuüben. Aber sobald auch nur der kleinste Wunsch in uns entsteht, Einfluss auszuüben, geraten wir erneut in Konflikt und sind aus diesem Grund nicht wirklich vollkommen.
Wer die Vollkommenheit erlangt, hat es nicht nötig, irgendeinen Einfluss auf andere auszuüben. Wer das Zentrum erreicht, hat die isolierte Einheit, das Absolute verwirklicht; und in dieser Einheit kann es kein Zweites geben, auf das irgendein Einfluss ausgeübt wird.

© Asram Vidya November 2016

siehe Raphael, Die Quellen des Lebens



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